Im
Gespräch

Thomas Gassner, Peter Margreiter, Felix Kozubek
Thomas Gassner, Felix Kozubek

Im Gespräch mit Thomas Gassner: Warum gutes Theater beim Menschen beginnt

Wir haben mit „Feuernacht“-Regisseur Thomas Gassner in einer gemeinsamen Podcastfolge mit EXPERIENCE TIROL – Der Podcast gesprochen. Über das Theater, die Menschen und darüber, was eine Geschichte wirklich stark macht.
Wie entsteht Theater, das nicht nur unterhält, sondern wirklich berührt? Diese Frage zieht sich durch das gesamte Gespräch. Und schnell wird klar: Es geht weniger um große Inszenierungen oder spektakuläre Bilder, sondern um etwas Grundsätzlicheres.
Für Gassner, der neben Regisseur, Autor und Kabarettist auch selbst Schauspieler ist, geht es beim Theater vor allem ums Geschichtenerzählen. Entscheidend ist nicht die Inszenierung an sich, sondern das, was beim Publikum ankommt. Wenn eine Geschichte etwas auslöst, wenn sie nachwirkt, dann hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Vertrauen statt Perfektion

Ein großer Teil dieser Wirkung entsteht lange vor der Premiere. In Proben, im Austausch, im gemeinsamen Entwickeln. Schauspielerinnen und Schauspieler versteht Gassner dabei nicht als Ausführende, sondern als Expertinnen und Experten ihrer Rollen.
Kreativität entsteht für ihn nicht unter Druck, sondern in einem Umfeld, das Vertrauen zulässt. Dort, wo ausprobiert werden darf, wo Fehler kein Problem sind, entsteht etwas Echtes. Und genau das wird später auf der Bühne spürbar.
Diese Haltung zeigt sich auch in seinem Blick auf die Tiroler Theaterlandschaft. Gerade die Volksbühnen beeindrucken ihn durch ihre Unmittelbarkeit und ihre Leidenschaft. Hier geht es weniger um Perfektion, sondern um echtes Spielen.

„Feuernacht“: große Geschichte, persönliche Schicksale

Mit der „Feuernacht“ bringt Gassner gemeinsam mit den Tiroler Volksschauspielen ein Stück auf die Bühne, das tief in der Geschichte Südtirols verwurzelt ist. Anfang der 1960er Jahre, in einer Zeit politischer Spannungen und gewaltsamer Aktionen, wird ein Kapitel aufgegriffen, das bis heute emotional diskutiert wird.
Doch im Mittelpunkt stehen nicht nur die historischen Ereignisse selbst. Es geht um die Menschen, die in diese Zeit verwickelt waren. Um ihre Entscheidungen, ihre Zweifel und ihre Beweggründe.
Fragen stehen im Raum, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben: Was ist gerecht? Wann wird Widerstand zur Gewalt? Und wie geht man mit einer Geschichte um, die nicht abgeschlossen ist?
Die „Feuernacht“ verdichtet diese Themen zu einem intensiven Theaterabend. Große politische Zusammenhänge treffen auf persönliche Geschichten. Große Bilder auf leise, menschliche Momente. Ein Spannungsfeld zwischen Courage und Zweifel, Verantwortung und Konsequenz, Heimat und Identität.
Am Ende bleibt das, was Gassner immer wieder betont: Theater ist dann am stärksten, wenn es nahbar wird. Wenn es nicht erklärt, sondern spürbar macht. Wenn es Fragen stellt, die über den Abend hinaus bleiben.

Für alle, die noch mehr wollen: Hier das gesamte Gespräch mit Thomas Gassner als Videofolge:
Zum Podcast

 

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