zu den stücken und den lücken

tirol endet nicht an den bergspitzen und den politischen grenzen: durch die tiroler wälder irren wölfe, weiße hirschkühe, wildschweine, kreuzköpfe, längst vergessene gestalten und stellen merkwürdige grundfragen: wie ist das mit der zukunft und dem volk und der pflicht und dem mann und dem weib? haben wir eine zukunft, haben wir erinnerungen, an die köchin des führers, an die rut in israel, an all die widerstandsgeister im tiroler land und hat uns jemand versprochen, dass alles gut gehen wird?

warum liebt es das volk in tirol zu spielen? über dreihundert freie theatergruppen gibt es in tirol, seit 1983 war es der wunsch einer wilden gruppe die volksschauspiele in telfs zu etablieren. als die wilden alt geworden waren, stellte sich die frage neu: wer ist das volk und wer sind die volksschauspiele unter den bedingungen einer pandemie?

kunst und humanität brauchen eine haltung. tirol sucht den weiten blick, der blick in die zukunft, die ohne erinnerung keine chance hat.

tirol war und ist der weg von nord nach süd, die via roma der berge: die via apia ins paradies. der weg ist das ziel. die marktgemeinde telfs symbolisiert den industriellen wandel, der ohne arbeitsmigranten gar nicht denkbar war: in „türkisch gold“ – unten am inn stellt sich die frage: was ist die liebe und wer ist das volk?

die ersten volksschauspiele unter neuer leitung sollen weiblicher werden, in der stückauswahl und der regiehandschrift: rut, fräulein marzipan (2022) und margarete von tirol (2022) zeugen davon und die regisseurinnen magdalene schaefer, zenta haerter, ebru tartıcı borchers oder susanne lietzow (2022) werden davon zeugen. tirol, telfs und die welt: andere nationen und jugend sollen die schauspiele ab 2021 bestimmen, immer zentrum tirol, denn zukunft ist wiederkehrende erinnerung.