Tiroler Volksschauspiele Telfs 2016

Schlussbericht

Die Tiroler Volksschauspiele 2016 sind zu Ende und wir freuen uns über die positive Resonanz auf alle Produktionen.
Das gewagt-abwechslungsreiche Programm hatte Erfolg und bestärkt die Volksschauspiele in ihrem Kurs: Anspruchsvolle Stoffe zu bieten, die ohne Vorkenntnisse genussfähig sind.
Mit dem Zirkuszelt am Thöni-Areal haben wir dieses Jahr der elisabethanischen Komödie Der Widerspenstigen Zähmung einen charmanten und gleichzeitig adäquaten Spielort geschaffen, der vom Publikum begeistert angenommen wurde und der zugleich der Unmittelbarkeit des Shakespeare-Theaters Rechnung trug. Markus Völlenklees rasante Inszenierung vermochte ein breites Publikum anzusprechen.

Komödien von Felix Mitterer genießen Seltenheitswert: Das hierzulande wenig bekannte Stück Die Weberischen in der Inszenierung von Susi Weber wurde ein großer künstlerischer Erfolg. Das Stück, das das wenig bekannte Leben der weberischen Frauen um das Komponistengenie Wolfgang Amadeus Mozart zum Gegenstand hat, bot Schwung, Schärfe und neue Musik von Christian Wegscheider.

In Zusammenarbeit mit dem Tiroler Dramatikerfestival brachten die Volksschauspiele die Uraufführung Die Disziplinierte Tirolerin von Christine Frei im Kranewitterstadel auf die Bühne, eine bissige feministische Satire in einer Inszenierung von Verena Schopper.

Die Tiroler Volksschauspiele haben durch ihre langjährigen Bemühungen um zeitgemäßes Volkstheater überregionale Bedeutung erlangt und sehen es deshalb als Teil ihrer Aufgabe, auch Aufführungen zu bieten, die dem traditionellen Volkstheaterbegriff nicht entsprechen. Wir freuen uns über die unerwartet breite Akzeptanz unseres Rahmenprogramms. Max Simonischek brillerte mit einer Kafka-Adaption von Der Bau, die demnächst am Wiener Burgtheater zu sehen sein wird. Die zwei Theatergrößen Christine Ostermayer und Wolfgang Hübsch beehrten uns mit ihrer berührenden Lesung über das Altern: Ist die schwarze Köchin da von Lida Winiewicz. Georg Ringsgwandl rockte den Kranewitterstadel mit seinem Konzert Deppert, aber munter. Das erste Mal in der Geschichte der Spiele zeigten wir ein Kinderstück, das Märchen Der Wolf und die sieben Geißlein in einer Inszenierung von Markus Völlenklee und in Zusammenarbeit mit den Kindererlebniswochen Telfs. Felix Mitterer selbst sahen wir leider nur in zwei Lesungen: Zwei Frauen vom 4. Stock, eine Erzählung von Ewald Heinz, und einer Lesung aus seinen neuesten Stücken Stücke 5.
Ein Bericht für eine Akademie von Franz Kafka musste leider wegen eines Unfalles von Siggi Haider abgesagt werden.

2016 kamen die Volksschauspiele auf 10.900 Besucher, das entspricht einer tatsächlichen Auslastung von 88% und das bei einer Einbuße von 1.600 Zusehern durch ausgefallene Vorstellungen.
Wir bedanken uns bei unserem Publikum für den Zuspruch in dieser erfolgreichen Spielzeit 2016 sowie bei den Damen und Herren der Presse für ihre geschätzte Aufmerksamkeit.
Wir freuen uns auf die kommende Spielzeit 2017.

Markus Völlenklee
Obmann der Tiroler Volksschauspiele

DIE TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE TELFS:

Allgemein
Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet. Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Verein. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus: Markus Völlenklee (Obmann), Karl-Heinz Steck (Stellvertreter), Silvia Wechselberger (Geschäftsführerin), Alfred Konzett, Felix Mitterer, Klaus Rohrmoser und Susi Weber.

Geschichte
Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Er fand Mitstreiter in Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl und Josef Kuderna.

1981 wurde durch den FS-1-Intendanten Wolf in der Maur die Finanzierung möglich. So fanden die ersten Tiroler Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall statt. Gespielt wurden “Die sieben Todsünden und ein Totentanz” von Franz Kranewitter – acht Einakter an zwei Abenden, inszeniert von sieben Regisseuren. Auf der Bühne waren zu sehen: Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Krista Posch, Hanne Rohrer, Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Walter Reyer, Otto Grünmandl, Richard Haller, Franz Mössmer, Klaus Rohrmoser, Markus Völlenklee uva. Die Regisseure waren Ruth Drexel, Kurt Weinzierl, Reinhard Schwabenitzki, Dietmar Schönherr, Josef Kuderna, Gernot Friedl und Alf Brustelin. Weitere Mitwirkende waren Bert Breit (Musik), Peter Lefor (Geige), Felix Mitterer (Moritaten) und Max Keller (Licht).

1982 – die zweite Spielzeit – sollte “Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter” von Herzmanowsky-Orlando mit neuer Musik von Werner Pirchner und eine Neuinterpretation des im Nationalsozialismus bewusst umgedeuteten Stücks von Karl Schönherr “Glaube und Heimat” bringen, sowie die Uraufführung eines Gegenwartsstücks, nämlich Felix Mitterers Passion Stigma. Die Stadt Hall lehnte das Stück damals als “Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnung” ab und war nicht mehr bereit, die Spiele zu veranstalten, falls “Stigma” auf dem Spielplan bliebe.

In dieser Situation bot sich Telfs unter Bürgermeister Helmut Kopp den Volksschauspielern als Veranstaltungsort an. Bis heute finden die Schauspiele in Telfs statt. Eine Vorveröffentlichung von “Stigma” führte zu landesweiten Empörungsbekundungen, es regnete Protestbriefe, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen und sogar Bombendrohungen gegen den Telfer Bürgermeister. Über 70 Zeitungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schickten Kritiker. Trotz der aufgeheizten Stimmung blieb der Skandal bei der von der Polizei geschützten Uraufführung aus.

In den kommenden Jahren kämpften die Volksschauspiele immer wieder um ihren Fortbestand. Der Rückzug des ORF als Hauptgeldgeber schien das Ende zu bedeuten, aber Hans Brenner und Ruth Drexel erhielten die Spiele mit Notprogrammen aufrecht, bis sich Gemeinde, Land und Bund bereit fanden, die Finanzierung dauerhaft zu gewährleisten. 1985 löste Hans Brenner Dietmar Schönherr als Obmann ab und blieb es bis zu seinem Tod 1998. Unter seiner Ägide wurden er und Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten. Nach Brenners Tod leitete Drexel die Spiele bis 2009. Als ihr künstlerisches Hauptziel nannte sie, Volkstheater als Instrument zur kritischen Auseinandersetzung mit der gelebten Realität zu etablieren – klug, scharf und unterhaltsam – aber unabhängig vom Bildungshintergrund verständlich.

Programm
Eine Liste der aufgeführten Stücke und weitere Informationen sind unter Archiv zu finden.