Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

willkommen in Telfs bei den Tiroler Volksschauspielen 2019.

Sie haben es vielleicht schon gesehen oder davon gelesen: Die Südtiroler-Siedlungen in ganz Tirol werden sukzessive abgerissen und die Areale neu bebaut. Das sind die wuchtigen Häuser, die ausschauen wie Bauernhäuser, aber reine Wohnhäuser sind und zu größeren oder kleineren Siedlungen geballt wie Kuhherden im ganzen Land verteilt stehen.
100 Jahre ist es her, dass die Brennergrenze das historische Tirol in ein österreichisches und ein italienisches Tirol teilte. Der daraus entstandene ethnische Konflikt ist bis in die Sechziger Jahre mit ihren Bombenanschlägen und Morden auf beiden Seiten eskaliert.
80 Jahre ist es her, dass man die Südtiroler vor die Entscheidung stellte, Italiener zu werden oder auszuwandern – die sogenannte „Option“. Für diese Auswanderer wurden die Südtiroler-Siedlungen gebaut. Sie waren nicht willkommen, die Tiroler, denen die Muttersprache teurer war als der Heimatboden und bis heute sorgt dieser Teil unserer jüngsten Landesgeschichte für politische Diskussionen, die gerne genauso leidenschaftlich wie ohne Sachkenntnis geführt werden

Die Tiroler Volksschauspiele sind weit über die Grenzen Tirols hinaus für ihre ungewöhnlichen Locations berühmt und FELIX MITTERER ist der deutschsprachige Theaterautor, der die historische Wahrheit sogar über den theatralischen Effekt stellt.
Was für ein Zusammentreffen von Bautätigkeit, Jahrtagen und Künstlern! Da sehen sich die Tiroler Volksschauspiele in Telfs natürlich in der Pflicht, die Geschehnisse von damals, auch als Beitrag zu aktuellen Diskussionen, theatralisch nachzuzeichnen.
Dank der Hilfe des Bauträgers Neue Heimat, der sich seiner kulturellen öffentlichen Verantwortung sehr bewusst ist, der tatkräftigen Unterstützung durch die Marktgemeinde Telfs und die Förderungen von Land Tirol, Bundeskanzleramt Österreich und unseren Partnern aus der Privatwirtschaft wird es uns möglich sein Ihnen VERKAUFTE HEIMAT – DAS GEDÄCHTNIS DER HÄUSER, dieses größte aller Projekte, das die Volksschauspiele je geschultert haben, Ende Juni in der Telfer Südtiroler-Siedlung zu präsentieren.

Ich bin stolz, dass wir FRANZ WASSERMANN begeistern konnten ein Kunstprojekt zu entwerfen, das die Schicksale, die die „Option“ auf dem Gewissen hat, mit unserem heutigen Handeln in Dialog setzten wird.

Ich freue mich auf die Arbeit und Ihr Kommen.

Mit herzlichem Gruß

Markus Völlenklee
Obmann der Tiroler Volksschauspiele in Telfs

Neues Design 2018

Der berühmte Tiroler Künstler und Maler Anton Christian hat 2018 ein aussagekräftiges neues Logo und Design für die Tiroler Volksschauspiele entworfen.
Das menschliche Wesen in der Maske des Ziegenbocks hat die Maske abgenommen. Zum Vorschein kommen drei Köpfe mit verschiedenem Ausdruck, die ihren animalischen Anteil nicht verleugnen wollen. Der Geheimnisvollste in der Mitte erinnert an einen grinsenden Tod, der immer mitten unter uns weilt, ob wir ihn sehen wollen oder nicht.
„Den Ziegenbock – einst ein Wunschsymbol des Markus Völlenklee – nun gegen drei Köpfe fiktiver Schauspieler zu tauschen war spannend, in diesen Tagen. Animal protection against humanity, you know! Mögen nun die drei Köpfe ebenso lange und intensiv für die Tiroler Volksschauspiele werben, wie’s der Bock getan hat – das wünsch’ ich mir“, ergänzt Anton Christian.

DIE TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE TELFS:

Allgemein
Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet. Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Verein. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus: Markus Völlenklee (Obmann), Karl-Heinz Steck (Stellvertreter), Silvia Wechselberger (Geschäftsführerin), Alfred Konzett, Felix Mitterer, Klaus Rohrmoser und Susi Weber.

Geschichte
Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Er fand Mitstreiter in Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl und Josef Kuderna.

1981 wurde durch den FS-1-Intendanten Wolf in der Maur die Finanzierung möglich. So fanden die ersten Tiroler Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall statt. Gespielt wurden “Die sieben Todsünden und ein Totentanz” von Franz Kranewitter – acht Einakter an zwei Abenden, inszeniert von sieben Regisseuren. Auf der Bühne waren zu sehen: Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Krista Posch, Hanne Rohrer, Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Walter Reyer, Otto Grünmandl, Richard Haller, Franz Mössmer, Klaus Rohrmoser, Markus Völlenklee uva. Die Regisseure waren Ruth Drexel, Kurt Weinzierl, Reinhard Schwabenitzki, Dietmar Schönherr, Josef Kuderna, Gernot Friedl und Alf Brustelin. Weitere Mitwirkende waren Bert Breit (Musik), Peter Lefor (Geige), Felix Mitterer (Moritaten) und Max Keller (Licht).

1982 – die zweite Spielzeit – sollte “Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter” von Herzmanowsky-Orlando mit neuer Musik von Werner Pirchner und eine Neuinterpretation des im Nationalsozialismus bewusst umgedeuteten Stücks von Karl Schönherr “Glaube und Heimat” bringen, sowie die Uraufführung eines Gegenwartsstücks, nämlich Felix Mitterers Passion Stigma. Die Stadt Hall lehnte das Stück damals als “Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnung” ab und war nicht mehr bereit, die Spiele zu veranstalten, falls “Stigma” auf dem Spielplan bliebe.

In dieser Situation bot sich Telfs unter Bürgermeister Helmut Kopp den Volksschauspielern als Veranstaltungsort an. Bis heute finden die Schauspiele in Telfs statt. Eine Vorveröffentlichung von “Stigma” führte zu landesweiten Empörungsbekundungen, es regnete Protestbriefe, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen und sogar Bombendrohungen gegen den Telfer Bürgermeister. Über 70 Zeitungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schickten Kritiker. Trotz der aufgeheizten Stimmung blieb der Skandal bei der von der Polizei geschützten Uraufführung aus.

In den kommenden Jahren kämpften die Volksschauspiele immer wieder um ihren Fortbestand. Der Rückzug des ORF als Hauptgeldgeber schien das Ende zu bedeuten, aber Hans Brenner und Ruth Drexel erhielten die Spiele mit Notprogrammen aufrecht, bis sich Gemeinde, Land und Bund bereit fanden, die Finanzierung dauerhaft zu gewährleisten. 1985 löste Hans Brenner Dietmar Schönherr als Obmann ab und blieb es bis zu seinem Tod 1998. Unter seiner Ägide wurden er und Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten. Nach Brenners Tod leitete Drexel die Spiele bis 2009. Als ihr künstlerisches Hauptziel nannte sie, Volkstheater als Instrument zur kritischen Auseinandersetzung mit der gelebten Realität zu etablieren – klug, scharf und unterhaltsam – aber unabhängig vom Bildungshintergrund verständlich.

Programm
Eine Liste der aufgeführten Stücke und weitere Informationen sind unter Archiv zu finden.