Tiroler Volksschauspiele Telfs 2018

vom 21. Juli bis 31. August – "Männerspiele"

2018 wird bei den Tiroler Volksschauspielen das Jahr der Männer! Denn überall scheint das starke Geschlecht in der Krise zu stecken – nur bei uns nicht! „Wir sind nicht jung, wir sind nicht schön, wir sind nicht muskulös – wir sind authentisch!“ so heißt es in unserer diesjährigen Komödie „Ladies Night“, die in einem speziellen Zuschnitt nach Tirol verpflanzt wird. Kein Auge bleibt trocken und sämtliche Knie werden weich, wenn die „Wilden Stiere“ die Bühne betreten, um in einer grandiosen Show blank zu ziehen! Männer ganz anderen Zuschnittes, nämlich fünf Holzknechten, läuft in Felix Mitterers „Die wilde Frau“ plötzlich in ihrer Waldhütte eine junge Frau in die Arme, die kein Wort spricht – und was anfangs ein Spiel ist, wird bald bitter ernst: Wer bekommt die Frau?

LADIES’ NIGHT
Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten
In der Bearbeitung von Gunnar Dreßler und einer speziellen Anpassung für die Tiroler Volksschauspiele

Sechs Freunde in einer Tiroler Industriestadt, verbunden durch eine Pechsträhne: Job verloren, Frau weg, Talent fraglich, Antrieb futsch, Alter allerdings fortgeschritten, von der Visage ganz zu schweigen. Aber die Finanzlage drängt zu einer Entscheidung und was anfangs nur eine irrwitzige Idee war wird bald handfester, als es manchem der Männer lieb ist: Als „Die wilden Stiere“ bieten die einigermaßen verzweifelten Freunde Männer-Striptease an und weil die Karten weggehen wie die warmen Semmeln stellt sich bald die alles entscheidende Frage: Ganz oder gar nicht?
Eine mitreißende, erfrischend-witzige Show – und nicht umsonst eine der meistgespieltesten Komödien aller Zeiten!

Spielort: Zirkuszelt am Thönifestplatz
Regie: Astrid Großgasteiger
Bühne: Karl-Heinz Steck
Premiere: 21. Juli 2018

Felix Mitterer, seit Beginn im Vorstand der Tiroler Volksschauspiele, feiert 2018 seinen 70. Geburtstag.

DIE WILDE FRAU
von Felix Mitterer

In einer abgeschiedenen Holzfällerhütte in den Bergen rasten sich fünf Männer von ihrem kräftezehrenden Tagwerk aus, als es plötzlich an der Tür klopft. Eine junge Frau betritt die isolierte Männerwelt, niemand kennt sie und sie spricht kein Wort. Es dauert aber nicht lange, bis alles aus den Fugen gerät. Denn rein ihre Anwesenheit stört das prekäre Gleichgewicht unter den fünf so unterschiedlichen Männern, in deren Hütte sie fortan wohnt.
Jeder will in der Nacht zu ihr gehen, sie besitzen, durch sie werden die Männer deutlich, die Frau kehrt deren Innerstes nach Außen. Bald sind alle reizbar wie die Wespen, Ansprüche werden erhoben, die Männer überschlagen sich in Versuchen, sich gegenseitig auszuspielen. Die wilde Frau macht – nichts.
Sie ist nur da.
Ein geheimnisvolles Stück um die Eigendynamik, das Machtgefälle, flirrend erotisch aufgeladen und gefährlich-spannungsreich an den Höhepunkt des Geschehens getrieben.

„Alles Vergängliche Ist nur ein Gleichnis; Das Unzulängliche, Hier wird’s Ereignis;
Das Unbeschreibliche, Hier ist’s getan; Das Ewig-Weibliche, Zieht uns hinan.“
Goethe, Faust

Spielort: Großer Rathaussaal
Regie: Klaus Rohrmoser
Bühne: Karl-Heinz Steck
Premiere: 26. Juli 2018

Das Rahmenprogramm wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

DIE TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE TELFS:

Allgemein
Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet. Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Verein. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus: Markus Völlenklee (Obmann), Karl-Heinz Steck (Stellvertreter), Silvia Wechselberger (Geschäftsführerin), Alfred Konzett, Felix Mitterer, Klaus Rohrmoser und Susi Weber.

Geschichte
Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Er fand Mitstreiter in Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl und Josef Kuderna.

1981 wurde durch den FS-1-Intendanten Wolf in der Maur die Finanzierung möglich. So fanden die ersten Tiroler Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall statt. Gespielt wurden “Die sieben Todsünden und ein Totentanz” von Franz Kranewitter – acht Einakter an zwei Abenden, inszeniert von sieben Regisseuren. Auf der Bühne waren zu sehen: Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Krista Posch, Hanne Rohrer, Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Walter Reyer, Otto Grünmandl, Richard Haller, Franz Mössmer, Klaus Rohrmoser, Markus Völlenklee uva. Die Regisseure waren Ruth Drexel, Kurt Weinzierl, Reinhard Schwabenitzki, Dietmar Schönherr, Josef Kuderna, Gernot Friedl und Alf Brustelin. Weitere Mitwirkende waren Bert Breit (Musik), Peter Lefor (Geige), Felix Mitterer (Moritaten) und Max Keller (Licht).

1982 – die zweite Spielzeit – sollte “Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter” von Herzmanowsky-Orlando mit neuer Musik von Werner Pirchner und eine Neuinterpretation des im Nationalsozialismus bewusst umgedeuteten Stücks von Karl Schönherr “Glaube und Heimat” bringen, sowie die Uraufführung eines Gegenwartsstücks, nämlich Felix Mitterers Passion Stigma. Die Stadt Hall lehnte das Stück damals als “Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnung” ab und war nicht mehr bereit, die Spiele zu veranstalten, falls “Stigma” auf dem Spielplan bliebe.

In dieser Situation bot sich Telfs unter Bürgermeister Helmut Kopp den Volksschauspielern als Veranstaltungsort an. Bis heute finden die Schauspiele in Telfs statt. Eine Vorveröffentlichung von “Stigma” führte zu landesweiten Empörungsbekundungen, es regnete Protestbriefe, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen und sogar Bombendrohungen gegen den Telfer Bürgermeister. Über 70 Zeitungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schickten Kritiker. Trotz der aufgeheizten Stimmung blieb der Skandal bei der von der Polizei geschützten Uraufführung aus.

In den kommenden Jahren kämpften die Volksschauspiele immer wieder um ihren Fortbestand. Der Rückzug des ORF als Hauptgeldgeber schien das Ende zu bedeuten, aber Hans Brenner und Ruth Drexel erhielten die Spiele mit Notprogrammen aufrecht, bis sich Gemeinde, Land und Bund bereit fanden, die Finanzierung dauerhaft zu gewährleisten. 1985 löste Hans Brenner Dietmar Schönherr als Obmann ab und blieb es bis zu seinem Tod 1998. Unter seiner Ägide wurden er und Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten. Nach Brenners Tod leitete Drexel die Spiele bis 2009. Als ihr künstlerisches Hauptziel nannte sie, Volkstheater als Instrument zur kritischen Auseinandersetzung mit der gelebten Realität zu etablieren – klug, scharf und unterhaltsam – aber unabhängig vom Bildungshintergrund verständlich.

Programm
Eine Liste der aufgeführten Stücke und weitere Informationen sind unter Archiv zu finden.