Tiroler Volksschauspiele Telfs 2016

Weiberspiele!

Manege frei für die Frauen!
Die 35. Spielzeit der Tiroler Volksschauspiele
vom 23. Juli bis 31. August 2016

Die Tiroler Volksschauspiele lassen einen Theatermann hochleben, der heuer seit 400 Jahren tot ist: William Shakespeare. DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG, eine kolossale Komödie, ein sprühender Kampf der Geschlechter, ein Wortgefecht und Handgemenge zwischen bös- und unwilliger aber reicher Braut und abgebranntem und daher umso willigerem Bräutigam. So etwas kann man nur in einer Manege aufführen: Deshalb bauen wir dafür ein veritables Zirkuszelt.

Felix Mitterer ist heuer gleich mehrmals vertreten: Sein ungewöhnliches Stück DIE WEBERISCHEN erzählt auf musikalische, höchst amüsante und gleichermaßen aberwitzig anmutende Art und Weise die wahre Geschichte einer prekären Weiberwirtschaft – und zwar die der Weberischen! Ehefrau, Schwiegermutter und Schwägerinnen des Komponistengenies Wolfgang Amadeus Mozart sitzen nach dessen Tode finanziell auf dem Trockenen. Jetzt ist guter Rat teuer …

Weiters gibt es ein Comeback des leibhaftigen Felix Mitterer als Affe Rotpeter in EIN BERICHT FÜR EINE AKADEMIE von Franz Kafka – nochmals schildert er seinen harten Weg vom Affen zum Menschen und singt Schlager aus den 30er Jahren, brillant begleitet von Siggi und Juliana Haider. Eine Kombination mit Seltenheitswert.

Eine Irreal-Satire nennt Christine Frei ihre musikalische Groteske DIE DISZIPLINIERTE TIROLERIN, die heuer als Kooperation mit dem 8. Dramatikerfestival zu uns kommt: Der genüsslich böswitzige Blick auf eine Tiroler Frauenfigur namens Susi ist stilistisch scharf geschliffen und lässt die Politische Korrektheit insgesamt eher alt aussehen.

Für das ganz junge Publikum gibt es hingegen heuer das Märchen DER WOLF UND DIE SIEBEN GEISSLEIN – ein schaurig-wölfisches Bilderspiel – natürlich mit Grimm-igem Happy End. Denn merke: Gefressen sein heißt noch lange nicht tot!

Der junge Schauspieler Max Simonischek gastiert heuer übrigens mit einem ganz anderen Kafka in Telfs: Nämlich DER BAU. Ein skurril-abgründiger Abstieg in das Herz eines nicht näher bestimmten Tieres, das sich ein unterirdisches Labyrinth baut und es misstrauisch bewacht. Wer keine Angst vor Tiefenschärfe hat, sei herzlich dazu eingeladen.

Nur auf den ersten Blick anders geht es in der bayrischen Ecke ab: Saubere Musik und dreckige Geschichten bringt Georg Ringsgwandl mit Band in den Stadl, und zwar mit seinem Programm mit dem vielversprechenden Titel DEPPERT, ABER MUNTER! Zu hören gibt es alte Reißer und frisches Gwachs.

Und was es wiegt, das hat es: Unsere letztjährige „Dame mit dem Hund“, die großartige Christine Ostermayer, kommt nochmals zu den Volksschauspielen und liest zusammen mit ihrem ebenso bekannten wie preisgekrönten Bühnenkollegen Wolfgang Hübsch: IST DIE SCHWARZE KÖCHIN DA? von der Autorin der „Späten Gegend“ Lida Winiewicz.

Felix Mitterer liest ausserdem gleich zweimal: aus seinem neu erschienen Buch STÜCKE 5 und ZWEI FRAUEN VOM 4. STOCK von Ewald Heinz.

Man möchte sagen: Es ist für alle gesorgt.

Markus Völlenklee
Obmann der Tiroler Volksschauspiele

DIE TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE TELFS:

Allgemein
Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet. Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Verein. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus: Markus Völlenklee (Obmann), Karl-Heinz Steck (Stellvertreter), Silvia Wechselberger (Geschäftsführerin), Alfred Konzett, Felix Mitterer, Klaus Rohrmoser und Susi Weber.

Geschichte
Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Er fand Mitstreiter in Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl und Josef Kuderna.

1981 wurde durch den FS-1-Intendanten Wolf in der Maur die Finanzierung möglich. So fanden die ersten Tiroler Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall statt. Gespielt wurden “Die sieben Todsünden und ein Totentanz” von Franz Kranewitter – acht Einakter an zwei Abenden, inszeniert von sieben Regisseuren. Auf der Bühne waren zu sehen: Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Krista Posch, Hanne Rohrer, Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Walter Reyer, Otto Grünmandl, Richard Haller, Franz Mössmer, Klaus Rohrmoser, Markus Völlenklee uva. Die Regisseure waren Ruth Drexel, Kurt Weinzierl, Reinhard Schwabenitzki, Dietmar Schönherr, Josef Kuderna, Gernot Friedl und Alf Brustelin. Weitere Mitwirkende waren Bert Breit (Musik), Peter Lefor (Geige), Felix Mitterer (Moritaten) und Max Keller (Licht).

1982 – die zweite Spielzeit – sollte “Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter” von Herzmanowsky-Orlando mit neuer Musik von Werner Pirchner und eine Neuinterpretation des im Nationalsozialismus bewusst umgedeuteten Stücks von Karl Schönherr “Glaube und Heimat” bringen, sowie die Uraufführung eines Gegenwartsstücks, nämlich Felix Mitterers Passion Stigma. Die Stadt Hall lehnte das Stück damals als “Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnung” ab und war nicht mehr bereit, die Spiele zu veranstalten, falls “Stigma” auf dem Spielplan bliebe.

In dieser Situation bot sich Telfs unter Bürgermeister Helmut Kopp den Volksschauspielern als Veranstaltungsort an. Bis heute finden die Schauspiele in Telfs statt. Eine Vorveröffentlichung von “Stigma” führte zu landesweiten Empörungsbekundungen, es regnete Protestbriefe, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen und sogar Bombendrohungen gegen den Telfer Bürgermeister. Über 70 Zeitungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schickten Kritiker. Trotz der aufgeheizten Stimmung blieb der Skandal bei der von der Polizei geschützten Uraufführung aus.

In den kommenden Jahren kämpften die Volksschauspiele immer wieder um ihren Fortbestand. Der Rückzug des ORF als Hauptgeldgeber schien das Ende zu bedeuten, aber Hans Brenner und Ruth Drexel erhielten die Spiele mit Notprogrammen aufrecht, bis sich Gemeinde, Land und Bund bereit fanden, die Finanzierung dauerhaft zu gewährleisten. 1985 löste Hans Brenner Dietmar Schönherr als Obmann ab und blieb es bis zu seinem Tod 1998. Unter seiner Ägide wurden er und Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten. Nach Brenners Tod leitete Drexel die Spiele bis 2009. Als ihr künstlerisches Hauptziel nannte sie, Volkstheater als Instrument zur kritischen Auseinandersetzung mit der gelebten Realität zu etablieren – klug, scharf und unterhaltsam – aber unabhängig vom Bildungshintergrund verständlich.

Programm
Eine Liste der aufgeführten Stücke und weitere Informationen sind unter Archiv zu finden.