Tiroler Volksschauspiele Telfs 2018

Schlussbericht

Wenn die Tage wieder merklich kürzer geworden sind und man nach dem hohen Frauentag spürt, es geht unwiderruflich „herowärts“, dann eilen auch die Tiroler Volksschauspiele auf ihr diesjähriges Ende zu. Wir blicken auf einen erfolgreichen Theatersommer zurück.
Die Frage ob „Ladies’ Night – Ganz oder gar nicht“ ins Programm der TVSS gehört oder nicht, hat das Publikum mit einem eindeutigen Ja beantwortet. 7.000 Zuschauer haben sich im Zelt am Thöni-Festplatz in Astrid Großgasteigers Inszenierung köstlich amüsiert.
„Die Wilde Frau“ hat in der beeindruckenden Inszenierung von Klaus Rohrmoser den gesellschaftskritischen Aspekt der Volksschauspiele gültig zum Ausdruck gebracht und die Grenzpfähle des Genres Volkstheater wieder ein wenig nach außen verschoben.
Den Abgründen des Lebens ausweichen zu wollen ist legitim, aber doch nicht, wie so oft behauptet, common sense. 4.100 Zuschauer sind Felix Mitterer in die Holzfällerhütte gefolgt, um in den Abgrund zu schauen, in den die bloße Anwesenheit einer Frau eine Männergemeinschaft zu stürzen vermag.
Das Rahmenprogramm konnte insgesamt 900 Besucher in den Kranewitter Stadl locken und hat mit drei Lesungen renommierter Tiroler Autoren einem exklusiven Kreis von Zuschauern Außerordentliches geboten. Markus Koschuh hat nach seinem Rausschmiss aus Going in Telfs einen doppelt herzlichen Empfang erlebt; wegen der großen Nachfrage musste eine zweite Vorstellung eingeschoben werden – ebenfalls ausverkauft. Danke Going.
Judith Kellers Edith Piaf-Show „No, je ne regrette rien“ im Rathausaal Telfs hat die Spiele fulminant abgeschlossen.
Und das Gesamtergebnis der heurigen Spiele in harten Zahlen: Bei 50 Veranstaltungen konnten wir 12.000 Zuschauer verzeichnen, was einer Gesamtauslastung von 97 % entspricht. Das ist eine der besten Zuschauerbilanzen der TVSS.
Wir sind zufrieden, wenn nicht gar glücklich über die Spiele 2018, weil es unser Publikum, auf sehr unterschiedliche Weise, mit unserer Arbeit war.

Bleibt mir persönlich nur noch mitzuteilen, dass ich mich nach zehn Jahren als Obmann der Tiroler Volksschauspiele verabschiede. Es ist dies in erster Linie eine private Entscheidung. Ich bin 63 Jahre alt und habe einen 1,5 Jahre alten Sohn, den ich aufwachsen sehen möchte. Ich hoffe auf Verständnis.

Es bedankt sich herzlich für die Arbeit aller Mitarbeiter und besonders für die Aufmerksamkeit von Presse und Medien
Der Obmann der Tiroler Volksschauspiele

Markus Völlenklee

Neues Design 2018

Der berühmte Tiroler Künstler und Maler Anton Christian hat 2018 ein aussagekräftiges neues Logo und Design für die Tiroler Volksschauspiele entworfen.
Das menschliche Wesen in der Maske des Ziegenbocks hat die Maske abgenommen. Zum Vorschein kommen drei Köpfe mit verschiedenem Ausdruck, die ihren animalischen Anteil nicht verleugnen wollen. Der Geheimnisvollste in der Mitte erinnert an einen grinsenden Tod, der immer mitten unter uns weilt, ob wir ihn sehen wollen oder nicht.
„Den Ziegenbock – einst ein Wunschsymbol des Markus Völlenklee – nun gegen drei Köpfe fiktiver Schauspieler zu tauschen war spannend, in diesen Tagen. Animal protection against humanity, you know! Mögen nun die drei Köpfe ebenso lange und intensiv für die Tiroler Volksschauspiele werben, wie’s der Bock getan hat – das wünsch’ ich mir“, ergänzt Anton Christian.

DIE TIROLER VOLKSSCHAUSPIELE TELFS:

Allgemein
Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Theaterfestival, das jährlich im Juli und August in Telfs in Tirol stattfindet. Es gibt keine feste Spielstätte, es werden Spielorte für die jeweiligen Stücke gesucht, die dann für die Inszenierung adaptiert werden. Die Zusammenarbeit von Profis und Laien wird seit Beginn gepflegt. Der Spielplan ist einerseits der Pflege des Volkstheatererbes verpflichtet, andererseits auf die Entwicklung eines modernen Volkstheaters ausgerichtet. Die Tiroler Volksschauspiele sind ein Verein. Der Vorstand setzt sich derzeit zusammen aus: Markus Völlenklee (Obmann), Karl-Heinz Steck (Stellvertreter), Silvia Wechselberger (Geschäftsführerin), Alfred Konzett, Felix Mitterer, Klaus Rohrmoser und Susi Weber.

Geschichte
Kurt Weinzierl hatte die Idee, die im deutschsprachigen Raum arbeitenden Tiroler Profischauspieler, Bühnenbildner, Komponisten etc. nach Tirol zu bringen, um unser heimatliches Volkstheater gemeinsam mit den dortigen Künstlern neu zu beleben. Er fand Mitstreiter in Dietmar Schönherr, Otto Grünmandl und Josef Kuderna.

1981 wurde durch den FS-1-Intendanten Wolf in der Maur die Finanzierung möglich. So fanden die ersten Tiroler Volksschauspiele in der Burg Hasegg in Hall statt. Gespielt wurden “Die sieben Todsünden und ein Totentanz” von Franz Kranewitter – acht Einakter an zwei Abenden, inszeniert von sieben Regisseuren. Auf der Bühne waren zu sehen: Julia Gschnitzer, Ruth Drexel, Krista Posch, Hanne Rohrer, Dietmar Schönherr, Hans Brenner, Walter Reyer, Otto Grünmandl, Richard Haller, Franz Mössmer, Klaus Rohrmoser, Markus Völlenklee uva. Die Regisseure waren Ruth Drexel, Kurt Weinzierl, Reinhard Schwabenitzki, Dietmar Schönherr, Josef Kuderna, Gernot Friedl und Alf Brustelin. Weitere Mitwirkende waren Bert Breit (Musik), Peter Lefor (Geige), Felix Mitterer (Moritaten) und Max Keller (Licht).

1982 – die zweite Spielzeit – sollte “Kaiser Josef und die Bahnwärterstochter” von Herzmanowsky-Orlando mit neuer Musik von Werner Pirchner und eine Neuinterpretation des im Nationalsozialismus bewusst umgedeuteten Stücks von Karl Schönherr “Glaube und Heimat” bringen, sowie die Uraufführung eines Gegenwartsstücks, nämlich Felix Mitterers Passion Stigma. Die Stadt Hall lehnte das Stück damals als “Ansammlung von Schweinereien und Religionsverhöhnung” ab und war nicht mehr bereit, die Spiele zu veranstalten, falls “Stigma” auf dem Spielplan bliebe.

In dieser Situation bot sich Telfs unter Bürgermeister Helmut Kopp den Volksschauspielern als Veranstaltungsort an. Bis heute finden die Schauspiele in Telfs statt. Eine Vorveröffentlichung von “Stigma” führte zu landesweiten Empörungsbekundungen, es regnete Protestbriefe, Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen und sogar Bombendrohungen gegen den Telfer Bürgermeister. Über 70 Zeitungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum schickten Kritiker. Trotz der aufgeheizten Stimmung blieb der Skandal bei der von der Polizei geschützten Uraufführung aus.

In den kommenden Jahren kämpften die Volksschauspiele immer wieder um ihren Fortbestand. Der Rückzug des ORF als Hauptgeldgeber schien das Ende zu bedeuten, aber Hans Brenner und Ruth Drexel erhielten die Spiele mit Notprogrammen aufrecht, bis sich Gemeinde, Land und Bund bereit fanden, die Finanzierung dauerhaft zu gewährleisten. 1985 löste Hans Brenner Dietmar Schönherr als Obmann ab und blieb es bis zu seinem Tod 1998. Unter seiner Ägide wurden er und Ruth Drexel zu den künstlerisch prägenden Persönlichkeiten. Nach Brenners Tod leitete Drexel die Spiele bis 2009. Als ihr künstlerisches Hauptziel nannte sie, Volkstheater als Instrument zur kritischen Auseinandersetzung mit der gelebten Realität zu etablieren – klug, scharf und unterhaltsam – aber unabhängig vom Bildungshintergrund verständlich.

Programm
Eine Liste der aufgeführten Stücke und weitere Informationen sind unter Archiv zu finden.